Fliegenbekämpfung im Stall: Schutz für Nutztiere und Leistungssteigerung
Stallfliegen sind nicht nur eine Belästigung, sondern beeinträchtigen auch das Wohlbefinden der Nutztiere erheblich. Sie sind Überträger von Keimen, Viren und Bakterien, was die Gesundheit der Tiere gefährden und deren Leistungsfähigkeit reduzieren kann.
Die Unsichtbare Gefahr: Eier, Maden und Larven
Wie bei einem Eisberg sind nur etwa 15-20 % der Fliegenpopulation sichtbar. Der größere, unsichtbare Teil besteht aus Eiern, Maden und Larven, die sich oft in versteckten Ecken und Ritzen aufhalten. Die alleinige Bekämpfung der erwachsenen Fliegen mit Adultiziden ist daher nur ein kurzfristiger Erfolg, da sie den Lebenszyklus der Fliegen nicht unterbricht.
Welche Schädlinge werden vornehmlich im landwirtschaftlichen Betrieb angetroffen?
- Hygieneschädlinge: Fliegen, Bremsen, Mücken, Schaben, Läuse, Milben und Nager
- Pflanzenschädlinge: Maiszünsler, Kartoffelkäfer, Erdflöhe, Schildläuse, Blattläuse u.s.w.
- Vorratsschädlinge: Kornkäfer, Mehl-, Reiskäfer, Milben, Schadnager u.v.a.
Hygieneschädlinge im Stall
gemeine Stubenfliege
(Musca domestica)
Bremse
(Tabanidae)
Essigfliegen, div. Mückenarten
(Drysophilla)
Wadenstecher
(Stomoxys calcitrans)
Rattenschwanzlarve
(Larve der Kotoder Mistbiene)
Vorbeugende Maßnahmen und Bekämpfung an der Wurzel
Es ist essentiell, das Problem an der Wurzel zu packen und die Fliegenlarven gezielt zu bekämpfen. Vorbeugende Maßnahmen sind der Schlüssel zur Kontrolle der Fliegenpopulation, bevor diese überhaupt flugfähig wird.
Wie entwickelt sich die Fliegenpopulation?
Den Lebenszyklus zu verstehen ist der erste Schritt zu einer wirksamen Bekämpfung.
Stallfliegen können in einem Jahr bis zu 15 Generationen entwickeln. Jede weibliche Fliege kann bis zu 200 Eier ablegen. Eine überwinternde Fliege schafft also bis zu 25 Millionen Nachkommen im Jahr.
In ca. 3 Monaten können so bei idealen Bedingungen 25 Millionen Fliegen entstehen.
Eier
Weibchen legen Eier im Mist ab. Hier beginnt alles.
Larven
Bis zu 85% des Problems liegen im Mist!
Puppe
Übergangsstadium im Puppengehäuse
Fliegen
Nur 15-20% der Fliegenpopulation sind adult und daher sichtbar!
Tipps für die Praxis:
- Die Fliegenbekämpfung sollte bereits zeitig im Frühjahr starten um der massenhaften Vermehrung vorzubeugen
- Jede Bekämpfungsmaßnahme sollte sich auch auf die Fliegenlarven richten
- Besondere Brutplätze für Fliegen sind Kälberboxen, Ecken und Hohlräume mit Mist und Futterresten, Tiefstreu und Schwimmschichten in Güllegruben. Durch Beseitigung der Brutstätten vernichten sie eine Vielzahl an Fliegenmaden
- Optimieren sie ihr Stallklima. Gut gelüftete Ställe werden von Fliegen gemieden
- Verwenden sie frühzeitig alternative Bekämpfungsmethoden wie Klebefallen und elektrische Fliegenfänger
- Achten sie auf Wirkstoffwechsel bei den Spritzmittel gegen adulte Fliegen
Frühzeitiger Beginn der Bekämpfung
Die Fliegenbekämpfung sollte bereits zeitig im Frühjahr beginnen, um der massenhaften Vermehrung vorzubeugen. Dies ist besonders wichtig, da Fliegen bei wärmeren Temperaturen schnell reifen und sich vermehren können.
Fokus auf Fliegenlarven
Jede Bekämpfungsmaßnahme sollte sich sowohl auf die erwachsenen Fliegen als auch intensiv auf die Fliegenlarven richten. Besondere Brutplätze wie Kälberboxen, Ecken und Hohlräume mit Mist und Futterresten bieten ideale Bedingungen für die Entwicklung von Fliegenmaden.
Optimierung des Stallklimas
Ein gut gelüfteter Stall wird von Fliegen gemieden. Eine effiziente Lüftung hilft, das Stallklima trocken und für Fliegen unattraktiv zu halten.
Beseitigung von Brutstätten
Durch die regelmäßige Reinigung und Beseitigung von Brutstätten können viele Fliegenmaden vernichtet werden. Dies umfasst Tiefstreu, Schwimmschichten in Güllegruben und andere Bereiche, die für Fliegen attraktiv sind.
Einsatz alternativer Bekämpfungsmethoden
Neben chemischen Mitteln sollten auch alternative Bekämpfungsmethoden wie Klebefallen und elektrische Fliegenfänger frühzeitig eingesetzt werden. Diese Methoden sind umweltfreundlich und reduzieren die Notwendigkeit des Einsatzes von Insektiziden.
Wirkstoffwechsel bei chemischen Mitteln
Um Resistenzbildung zu vermeiden, ist ein regelmäßiger Wirkstoffwechsel bei der Verwendung von Spritzmitteln gegen adulte Fliegen wichtig. Dies hilft, die Effektivität der chemischen Kontrolle langfristig zu sichern.
Zusammenfassung und Schlussfolgerung
Eine umfassende Strategie zur Fliegenbekämpfung im Stall ist für die Gesundheit und Leistungsfähigkeit von Nutztieren unerlässlich. Durch eine Kombination aus präventiven Maßnahmen, gezielter Larvenbekämpfung und dem Einsatz von umweltfreundlichen Methoden kann die Fliegenpopulation effektiv kontrolliert und minimiert werden.
Planung und Bekämpfung bei Fliegen- / Larvenbefall
Eine erfolgreiche Fliegenbekämpfung besteht immer aus einer Bekämpfung der ausgewachsenen (adulten) Fliege und der Fliegenlarve. Nur die regelmäßige und gleichzeitige Bekämpfung aller Entwicklungsstadien der Fliege bringt den gewünschten Erfolg.
Adulte (erwachsene Fliege)
Adultizide:
Diese Mittel wirken auf die ausgewachsenen (adulten) Fliegen und töten diese rasch ab. Die Wirkstoffe greifen auf das zentrale Nervensystem der Fliegen ein und verhindern die Übertragung lebenswichtiger Informationen. Durch den raschen Generationswechsel kann es zur Resistenzausbildung kommen. Das heißt die Fliegen werden nur durch höhere Dosis abgetötet oder sind vollkommen immun gegen einen Wirkstoff. Um dies vorzubeugen sollten Wirkstoff und Wirkstoffgruppe regelmäßig gewechselt werden.
Eier
Larve
(Larvenstadium 1, 2 und 3)
Puppe
Larvizide:
Larvizide wirken auf die Häutung der Larven während des Übertritts von den einzelnen Larvenstadien in das nächste (sogenannte Wachstumsregulatoren). Dieser Vorgang ist sehr spezifisch für Insekten. Für Mensch und Warmblütler sind diese Produkte daher unbedenklich. In der Bekämpfung der Stallfliege sind derzeit noch keine Resistenzprobleme aufgetreten. Achten sie aber auch hier auf die richtige Dosierung.
Stallhygiene und Fliegenbekämpfung: Expertenwissen für Landwirte und Rinderhalter
Fliegen sind weit mehr als nur lästige Plagegeister im Stall. Sie übertragen gefährliche Krankheitserreger wie Bakterien, Viren, Parasiten und Einzeller, die bei Ihren Tieren zu schweren Erkrankungen führen können.
Dazu zählen Atemwegsinfektionen durch Pasteurellen, Maul- und Klauenseuche, Schweinepest, Salmonellose, E. coli-Infektionen, Kokzidiosen, Spulwurminfektionen, Aujeszkysche Krankheit, Brucellose, Dysenterie und viele mehr. Die Folgen reichen von Durchfällen, Aborten und Leistungseinbußen bis hin zu Todesfällen, insbesondere bei Ferkeln, Kälbern und Saugferkeln.
Jahreskalender: Fliegen effektiv das ganze Jahr bekämpfen
Eine nachhaltige Fliegenbekämpfung in der Landwirtschaft beginnt bereits früh im Jahr und setzt sich konsequent fort. Unser bewährter Arbeitskalender für Rinder-, Schweine- und Milchviehbetriebe zeigt, wie Sie Ihre Tiere optimal schützen:
| Arbeitskalender mit den wesentlichen Maßnahmen zur Vorbeugung | |
|---|---|
| Februar | Hygiene, bei mildem Winter Madenbekämpfung, Klebefänger zur Feststellung ob bereits Fliegen vorhanden sind |
| März | Klebefolie, Elektrische Fliegenfänger anbringen, Madenbekämpfung |
| April | Madenbekämpfung, Ködermittel |
| Mai | Madenbekämpfung, Ködermittel |
| Juni | Madenbekämpfung, Spritzmittel |
| Juli | Madenbekämpfung, Spritzmittel |
| August | Spritzmittel, Madenbekämpfung bei starkem Fliegendruck |
| September | Spritzmittel, Hygiene |
| Oktober | Spritzmittel, Hygiene |
Tipps für die erfolgreiche Fliegenbekämpfung im Stall
- Frühzeitig starten: Beginnen Sie mit der Fliegenbekämpfung bereits im Frühjahr, um einer Massenvermehrung vorzubeugen.
- Bekämpfung der Fliegenlarven: Jede Maßnahme sollte auch die Larvenstadien miteinbeziehen.
- Brutplätze beseitigen: Entfernen Sie Mist und Futterreste aus Kälberboxen, Ecken, Hohlräumen sowie Schwimmschichten in Güllegruben.
- Optimales Stallklima: Gut belüftete Ställe werden von Fliegen gemieden.
- Alternative Methoden nutzen: Setzen Sie frühzeitig Klebefallen und elektrische Fliegenfänger ein.
- Wirkstoffwechsel beachten: Wechseln Sie regelmäßig die Wirkstoffe bei Spritzmitteln gegen adulte Fliegen (1-2-3-System).
Stallfliegen: Gesundheitsrisiko und Leistungsbremse
Stallfliegen beeinträchtigen das Wohlbefinden Ihrer Nutztiere, verringern deren Leistung und übertragen Keime, Viren sowie Bakterien. Durch gezielte und vorbeugende Maßnahmen – auch schon im Larvenstadium – können Sie die Fliegenpopulation wirkungsvoll reduzieren.
Durch Fliegen übertragbare Krankheiten
| Krankheit | Erreger | Auswirkungen |
|---|---|---|
| Rotlauf | Bakterien | u.a. Verferkeln |
| Pasteurellen | Bakterien | Atemwegsinfektionen |
| Maul- und Klauenseuche | Virus | bis hin zu Todesfällen |
| Schweinepest | Virus | Aborte / Todesfälle |
| Salmonellose | Bakterien | u.a. Durchfälle |
| E.Coli-Infektionen | Bakterien | u.a. Durchfälle |
| Kokzidiosen | Einzeller | Durchfälle |
| Spulwurminfektion | Parasiten | Leistungsdepression |
| Aujeszkysche Krankheit | Virus | u.a. Saugferkelsterben / Atemwegsinfektion |
| Brucellose | Bakterien | Umrauschen/Aborte |
| Dysenterie | blutiger Durchfall |
Das richtige Timing zählt bei der Fliegen- und Larvenbekämpfung!
Wann ist der richtige Zeitpunkt für eine Behandlung oder wie erzielt man den besten Erfolg?
Die Fliegenbekämpfung zwischen 6:00 Uhr und 9:00 Uhr erzielt die besten Ergebnisse.
Fliegenlarven
Bekämpfen Sie die Fliegenlarven und Sie bekämpfen 80 % des Problems
Sobald die Temperaturen im Frühjahr steigen, beginnt kaum bemerkbar die Fliegenentwicklung. Weil die Entwicklung vom Ei zur ausgewachsenen Fliege schon viel früher erfolgt, muss noch vor dem Beginn der warmen Jahreszeit an die Bekämpfung gedacht werden.
Eine erfolgreiche Fliegenbekämpfung beinhaltet vor allem eine Brutbekämpfung der Eier und Larven, denn die adulten Fliegen machen nur etwa 20 Prozent der Gesamtpopulation aus.
Eier und Larven gedeihen bei feucht-warmem Klima besonders gut auf Mist, Gülle und Futterresten. Oft kann man bei genauem Hinsehen die Larven als kleine weiße „Würmer“ erkennen.
1 kg Dung bzw. Restfutter reicht für die Entwicklung von bis zu 10.000 Maden!
Typische Brutstätten befinden sich unter anderem unter Buchtenabtrennungen, unterhalb von Futtertrögen, auf nassen Stellen unter der Tränke, auf Futterresten, auf Schwimmschichten im Güllekanal und auf Mist.
Basis für den Erfolg ist die gründliche Verteilung auf der Mistfläche mittels Gießkanne oder Rückenspritze und die regelmäßige Anwendung:
- Erste Behandlung ca. 3-5 Tage nach Einstallung bzw. Entmisten
- Zweite Anwendung nach 2 Wochen
- In der Routine ca. alle 4-6 Wochen
Spezialprodukte zur Bekämpfung der Fliegenmaden in Mist, Gülle oder Einstreu hemmen das Wachstum der Fliegenlarven, indem sie die Häutung der Larven beeinflussen. Das Verpuppen wird verhindert. Die Larven sterben ab, bevor die Fliegen schlüpfen. Der Entwicklungszyklus der Fliege wird unterbrochen!
Der gezielte Einsatz von Insektiziden bei schwachem bis mäßigem Fliegendruck
Ein Fraßköder steht in unmittelbarer Konkurrenz zu einer Vielzahl von natürlichen Fraß- und Lockstoffen:
- Schweiß
- Ausdünstungen
- Exkremente der Stalltiere
- Futtermittel
- Milch
- Brucheier
- Feuchtigkeitsquellen
- usw.
Ebenso spielen Stallklima, Haltungsformen, Stalleinrichtung sowie stalltypische Besonderheiten für das Auffinden und die Annahme des Köders eine bedeutende Rolle.
Deshalb ist es wichtig möglichst viele Köderstellen im Stall und v. a. dort, wo sich Fliegen bevorzugt aufhalten, zu platzieren. Die Ausbringung erfolgt als Streuköder (trocken oder feucht) oder mit Wasser gemischt als Streichlösung.
Anwendung als Streuköder
- in Stallgängen oder auf Fensterbänken
- in Schalen mit Ködergranulat (Blumenuntersetzer, Eimerdeckel usw.). Hier ist auch das Anfeuchten mit Wasser möglich, das die Lockwirkung erhöht und die Aufnahme erleichtert.
- Aufhängen von Köderstationen. Sehr effektiv ist dabei die Kombistation, in die Granulat mit Wasser vermischt als Brühe eingefüllt wird. An mehreren Stellen aufgehängt oder hingestellt (mit oder ohne Deckel), füllt sich der Behälter schnell mit Fliegen.
- Streuen auf Kotförderbänder in der Legehennenhaltung
Anwendung als Streichlösung
- Hierbei wird der Fliegenköder entsprechend der Anwendungsvorschrift in Wasser gelöst und mittels Pinsel auf die Stellen aufgetragen, die von den Fliegen bevorzugt angeflogen werden
- Zusätzlich ist das Aufhängen oder Aufstellen von behandelten Pappen oder Holzbrettern möglich
- Generell ist darauf zu achten, dass Stalltiere nicht an den Köder gelangen
- Staubige Flächen müssen vorher gereinigt werden
- Möglichst viele kleine Köderstellen im Stall anlegen (Größe bis 10 x 20 cm)
- Reinigung der verwendeten Gefäße und Pinsel mit warmem Wasser
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Fliegen richtig bestimmen: Identifizierung und Grundkenntnisse
Die Stubenfliege als Hygieneschädling No. 1
Die wirksame Bekämpfung der Schadinsekten setzt voraus, dass man weiß, welche Arten im Stall vorkommen. Gerade bei Fliegen gibt es viele Arten, die auch unterschiedlich zu bekämpfen sind!
Die gemeine Stubenfliege (musca domestica)
ist die am verbreitetsten vorkommende Fliegenart.
| Größe: |
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| Vermehrung: |
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| Lebenserwartung: |
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| Generationsdauer: |
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| Bekämpfung: |
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Tau- oder Essigfliege (Drosophila melanogaster)
| Größe/Merkmale: |
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| Vermehrung: |
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| Brutstätten: |
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| Bekämpfung: |
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Wadenstecher (Stomoxys calcitrans)
| Größe: |
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| Vermehrung: |
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| Lebenserwartung: |
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| Brutstätten: |
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| Bekämpfung: |
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